Wichtiger Hinweis: Bei dieser Homepage handelt es sich um eine private Seite rund um das Thema moderne Feldpost

Militärpfarrer...

...im Einsatz

 

 

 

 

Zu den Standardeinrichtungen der Bundeswehr gehört auch die Betreuung der Soldaten in kirchlichen Fragen. Dabei wird auf eine Besonderheit der beiden grossen Kirchen zurückgegriffen, nämlich den sog. Standortpfarrern. Diese werden bei Bedarf zu Einsätzen angefordert und verbringen aber dann bis zu 6 Monaten ohne Ablösung im Einsatzgebiet. Die katholische Kirche hat für diesen Zweck selbst einen Militärbischof ernannt, der sich neben seiner Tätigkeit als z.B. Weihbischof auch die militärische Seite des Glaubens kümmert.
Nun lässt sich trefflich philosophieren, inwieweit sich Glaube und Krieg vereinbaren lassen - Stichwort: Gerechter Krieg. Dies möchte ich aber vermeiden, sondern nur auf das Leben im Einsatz und die philatelistische Seite dieses Themas eingehen. Sollten Sie aber dennoch eine Meinung sagen wollen, dann bitte im BW-Forum im Feldpostforum (oder bei mir im Forum)!
Im folgenden können Sie einen Rundbrief des katholischen Militärdekans in Kabul lesen, der aus den ersten Einsatztagen stammt. Er wurde noch früher aus Kabul abberufen, da er die traurige Pflicht hatte, die Soldaten zu begleiten, die bei dem tragischen Raketenunglück ums Leben kamen! Dennoch Danke für seine Bereitschaft, mir zu helfen! Weiter unten ein persönlicher Brief des Militärpfarrers der Task Force Fox, dem ich sehr herzlich Danke, für seine Mühe, mir diesen Ausführlichen Bericht seines Einsatzes zu schreiben!!!

Rundbriefe gehören nicht zu meinen bevorzugten Kommunikationsmitteln. Dennoch muß ich ausnahmsweise diese Form wählen, um ein Lebenszeichen zu senden.
Seit dem 19 Januar bin ich zur Begleitung des Vorauskommandos der "International Security Assistance Force (ISAF) in Kabul und teile das Leben der Soldatinnen und Soldaten im "Camp Warehouse".
Die Begegnung mit dem Leid einer von mehr als zwanzigjährigem Kriegszustand geplagten Bevölkerung und Landschaft war für mich ? ebenso wie für viele der meiner Seelsorge anvertrauten Soldaten - erschütternd Den Anblick von bettelnden, barfüßigen Kindern in den Straßen der in Trümmern liegenden Millionenstadt Kabul wird so bald wohl keiner vergessen. Die ersten Tage im kargen Feldlager (mit notdürftigen, kalten Unterkünften bei spärlicher Verpflegung und provisorischen Sanitäreinrichtungen) haben uns auch Kraft abverlangt und uns klargemacht, wie selbstverständlich man daheim die Annehmlichkeiten des gewohnten Lebens in Anspruch nimmt Es gibt aber auch erste Anzeichen für eine allmähliche Verbesserung der Lebensverhältnisse
zu beobachten.

Auf dem Basar pulsiert das Leben. Die Vorboten des Frühlings machen sich bemerkbar Es ist, als wurde sich das afghanische Volk aus einer langen Winterstarre befreien.
Ermutigend ist auch der Zuspruch vieler Soldaten zum Angebot der Militärseelsorge. Mit einem evangelischen Amtsbruder teile ich ein Zimmer im Stabsgebäude, das zu einem beliebten Treffpunkt und Kommunikationszentrum für das Feldlager geworden ist. Von morgens bis abends haben wir, die Stube voll. Eigentlich boten wir die erste
Betreuungseinrichtung des Feldlagers an: Viele Soldaten kommen zu einer kurzen Verschnaufpause zu uns herein, trinken einen Kaffee, rauchen eine Zigarette, erzählen von ihren Erlebnissen, warmen sich ein wenig auf, bevor sie ihren Auftrag fortsetzen. Wir
sind dankbar für viele interessante und erfreuliche mitmenschliche Begegnungen. Unser Gottesdienstangebot wird von durchschnittlich 100 Teilnehmern (entspricht etwa 15 % der deutschsprachigen Feldlagermannschaft) gern angenommen, So ist jeder Einsatztag gefüllt mit Aktivitäten und neuen Erfahrungen, und es bleibt nur wenig Zeit zur Pflege privater Kontakte: Deshalb eben ein Rundbrief. Bereits Anfang März, wenn das Hauptkontingent voraussichtlich die volle Stärke eingenommen haben wird, wird mein Nachfolger, ein junger Mitbruder aus Oldenburg hier eintreffen, und für den 10 März ist meine Abreise aus Afghanistan geplant...

In der Folge nun der persönliche Bericht aus Tetovo vom dortigen evang. Militärpfarrer (im Original 2 DIN-A 4 Seiten lang!):

Am Ende meines Dienstes hier in Mazedonien möchte ich Ihrer Bitte nachkommen und diesen Brief verfassen.
Der Dienst unter den Soldaten hier bei TFF wurde von den Kirchenämtern als ein Dienst im Wechsel von evang. und kath. Militärgeistlichen festgesetzt. So bin ich, seit dem Beginn von Amber Fox und dann Task Force Fox, der 5. Militärpfarrer.
Neben den Soldaten von TFF habe ich auch die Soldaten des 5. Kontingentes KFOR in Mazedonien (UstgKp MAZ im Camp Erebino, HQ Skopje) seelsorgerlich zu begleiten. Das sind mit dem heutigen Tag rund 500 Soldaten (vor der Übergabe der Lead-Nation von TFF an die Holländer Ende Juni waren es 850 deutsche Soldaten).
Der Auftrag für die Soldaten des deutschen Anteils Task Force Fox lautet: Unterstützung von Beobachtern internationaler Organisationen bei Notfällen, Befreiung von Beobachtern aus der Gewalt Dritter auch gegen Widerstand, Koordinierung mit den internationalen Organisationen und mazedonischen Behörden, Aufklärung und Austausch von Informationen mit den internationalen Organisationen und mazedonischen Behörden sowie Eigensicherung.
Dieser Auftrag stellt in Mazedonien (richtige Bezeichnung: FYROM - ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien) nach wie vor Risiken dar, da es nur mühsam gelingt, die verfeindeten Ethnien (Albaner und Mazedonier) auf einen wirklich demokratischen Weg zu führen und zu begleiten.
Meine 3 Monate sind nun fast vorüber und die Zeit ist in meinen Augen schon schnell vergangen. Aber das hat auch damit zu tun, dass ich als Pfarrer hier im Prinzip von morgens bis abends mit Soldaten zusammengelebt habe und immer wieder Gespräche oder gemeinsame Erlebnisse hatte, die die Zeit verrinnen ließ. Zu Beginn meines Dienstes im Mai hatte ich meinen Sitz im Camp Fox in Bunardzik, nahe Skopje. Dort ist auch das HQ von TFF. Nach der Übergabe der Lead-Nation von TFF an die Holländer bin ich mit dem größten verbliebenen Teil der deutschen Soldaten auf den Berg Erebino, nahe Tetevo, umgezogen. Dort lagen bereits die UstgKp KFOR und andere Teileinheiten von TFF und ich kannte dies gut, denn auch dort hatte ich bisher meine seelsorgerlichen Aufgaben wahrzunehmen.
Die Soldaten kommen aus den unterschiedlichsten Gegenden in Deutschland, haben unterschiedlichste Charaktere, sind unterschiedlichster Frömmigkeit. Überall werde ich freundlich begrüßt. Man sieht sich halt jeden Tag (zumindest im Camp, in dem ich lebe) und man kann sich auch kaum aus dem Weg gehen. Da entstehen viele Kontakte und Beziehungen, die mir auch das Leben hier, fern von daheim, erleichtern. Wir teilen Freud und Leid - einem Pfarrer geht es nicht anders.
Jeden Sonntag feiern wir einen Gottesdienst. Die Seelsorge am Einzelnen, aber auch Rüstzeiten und Begleitung der Soldaten bei ihren Diensten sind die Arbeitsinhalte meiner Tätigkeit. Natürlich hat mich auch ein bißchen die Internationalität an diesem Einsatz fasziniert. Einmal die Menschen unterschiedlicher Zugehörigkeit im Land Mazedonien selbst und dann die der Soldaten verschiedener Nationen von KFOR und TFF.
Sehr interessant sind die Chaplains-Meetings (d.h. die Pfarrer aller Nationen bei KFOR und TFF kommen regelmäßig zusammen. Dort erfährt man viel über die unterschiedlichen Bindungen der Pfarrer zu ihren Streitkräften und ihre Form der Militärseelsorge.
In meiner Zeit hier konnte ich auch besondere Kontakte zu den Spaniern und Italienern pflegen. Auch die unterschiedlichen Gottesdienste, die ich miterleben und -feiern konnte, waren eine Bereicherung.
Natürlich gehört es auch zu meinen Aufgaben, in kleinem Rahmen die Verbindungen zu den Religionen im Land selbst zu knüpfen. Dazu bin ich natürlich auf Sprachmittler angewiesen, was aber sehr gut funktioniert.
Das Land Mazedonien selbst ist landschaftlich wunderschön, leider lässt die Abfallmoral sehr zu wünschen übrig und ich kann es mir kaum vorstellen, wie es in manchen Gegenden in 10 Jahren aussieht. Ich habe durch meine Besuche und Betreuungsfahrten mit Soldaten viel sehen, herrliche Bergklöster und Kirchen mit ihren lkonen und Wandmalereien, aber auch Moscheen besichtigen und Gespräche mit Einheimischen führen können. Erschreckend für mich nach wie vor der Hass auf die andere Bevölkerungsgruppe. Die Mazedonier haben Angst, die Albaner würden bald das Land nach ihrem Gutdünken beherrschen und umgekehrt finden die Albaner die mazedonische Selbstgerechtigkeit als Hauptproblem. Und selbst der orthodoxe Pope, mit dem ich lange geredet habe, spricht von den albanischen Terroristen und zeigt mir die Bilder eines Amtsbruders, der schwer mißhandelt wurde. Dementsprechend gibt es immer wieder Spannungen und Zwischenfälle im Land. Da wird z.B. anders demonstriert, indem Straßen mit den Autos anderer versperrt werden und Waffen bzw. Knüppel durchaus Anwendung finden. Die internationalen Beobachter, die die Soldaten zu schützen haben, erleben so einiges und die brenzlichsten Situationen haben dann die Soldaten zu meistern. Diese sind aber sehr gut ausgebildet und handeln meiner Meinung nach sehr umsichtig und professionell. Oftmals wird einem dann hinterher erst der Ernst der Lage klar.
Nach meinem Umzug vom Camp Fox bei Skopje nach Tetovo auf den Berg Erebino war einiges erst provisorisch. Aber ich muß wirklich sagen, dass die Soldaten sehr hilfreich und einfallsreich sind. Das Kirchengelände, mit Kirchenzelt, Anlage für Freiluftgottesdienste und das Pfarrbüro wurde sehr gut angelegt bzw. umgebaut. Für die Soldaten ist "Kirche" im Einsatz etwas ganz anderes. Der Sonntagsgottesdienst wird für viele zum Ritual und zum Gradmesser, dass wirklich Sonntag ist. Ein Truppenarzt hat mit dem Keyboard meine Gottesdienste begleitet und die Band, die sich gegründet hat, hat zum Kirchenfest tolle Musik gemacht.
Natürlich gibt es auch die andere Seite. Viele sagen, es ist gut, dass ein Pfarrer in greifbarer Nähe ist, weil man jemand zum reden braucht, der unabhängig jeglicher militärischer Struktur ist und dennoch den Alltag und die Abläufe bestens kennt. 3 bzw. 6 Monate von der Familie getrennt bringt auch erhebliche Probleme mit sich.

Ich hoffe, dass dieser Einsatz deutscher Soldaten in Mazedonien Früchte trägt und ein friedlicheres Zusammenleben im Land möglich wird. Den Soldaten wünsche ich weiterhin Gottes Segen bei Ihrem Dienst, eine gesunde Rückkehr und vor allem aber auch im privaten Bereich alles erdenkliche Gute.

Beleg des FpA in Rajlovac vom 03.04.2002. Der Absender war der evangel. Militärpfarrer für den SFOR-Einsatz.

   

Beleg des FpA in Kabul (1371) vom 18.01.2002. Hier war der Absender der katholische Militärgeistliche. Auf der Abbildung ist das Camp Warehouse zu sehen, der Stationierungsort der Bundeswehr (und weiterer ISAF-Nationen).

   

Beleg des FpA in Erebino (731 f) vom 05.03.2002. Hier war der Absender der evang. Einsatzpfarrer, der neben diesem schönen Beleg auch einen 2-seitigen DIN-A-4 Bericht geschrieben hat!

   

Feldpostkarte des evang. MilPfarrers im Kosovo mit Stempel des FpA 731e (Prizren) vom 06.12.2002 mit Gruss und Unterschrift

   

Feldpostkarte des kath. Militärgeistlichen mit Stempel des FpA 730h (Rajlovac) vom 15.01.2003 mit Cachet der Hl. Barbara (Schutzpatronin der Soldaten) und Absenderstempel! Das Cachet habe ich bisher noch nie gesehen!!!

   

Feldpostkarte des kath. Militärgeistlichen in Afghanistan mit persönlicher Widmung und besonderem Cachet anl. Pfingsten 2003. Der Beleg ist entwertet mit FpStempel 1391 (Kabul) vom 07.06.2003!

   

Feldpostkarte des evang. MilPfarrers im Kosovo mit Stempel des FpA 731g (Prizren) vom 25.07.2003 mit rückseitigem Gruss und Unterschrift.

   

Feldpostkarte des evang. MilPfarrers iAfghanistan mit Stempel des FpA 1391 (Kabul) vom 15.09.2003 mit pers. Widmung.

   

Feldpostkarte des evang. MilPfarrers in Kunduz mit Stempel des FpA 1301 (Kunduz) vom 13.03.2004 mit rückseitiger pers. Widmung.

   

Die Rückseite der Karte mit Widmung und Grüssen an die Familie (die sich auch immer freut, wenn Post eintrudelt!).

   

Karte vom aktuellen evangelischen Militärpfarrer der Bundeswehr in Kabul. Die Karte trägt den Absenderstempel und Unterschrift. Entwertet mit Fp 1391 vom 07.04.2004 (Laufzeit 7 Tage - Kompliment)

   

Rückseite der Karte des akt. MilPfarrers KFOR 9. Kontingent, der diese 17 Tage vor der Heimreise noch schnell für mich geschrieben hat - herzlichen Dank in den Kosovo!

   

Sammeln und Helfen


Hinweis: Dies ist keine Seite für Handel mit Karten oder Briefen der Bundeswehr (Ausnahme Aktionen zugunsten des o.a. Vereins!

 

 Links zum Thema

 1  Militärdekan J. Simon
 2  Evang. MilDekanat Kiel
   
Copyright und verantwortlich für den Inhalt: Alfred Bulenz, Finkenstr. 17, 74861 Neudenau